Warum ist das Glas halbleer?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in einen stockdunklen Raum. Was erwarten Sie darin zu finden? Ihren besten Freund oder ein Monster?
Genau mit diesem Spannungselement arbeiten viele Filmemacher:innen und Autor:innen. Die „Monster im Kopf“ sind oft viel schlimmer als die im Film gezeigten oder im Buch beschriebenen.

Woher kommt das? Das ist evolutionsbedingt und nennt sich Negativitätseffekt. Damit will uns unser Gehirn schützen. Für unsere Vorfahr:innen war es überlebenswichtig, zu wissen wo Gefahren lauerten und welche Tiere oder Pflanzen gefährlich waren. Wir haben gelernt, Gefahren schneller und besser wahrzunehmen und einzuschätzen. Wer das besser konnte, hat überlebt.
In unserer Kommunikation erleben wir diesen Negativitätseffekt besonders häufig beim geschriebenen Wort – bei E-Mails und Chats, denn hier fehlen wichtige Signale wie Mimik, Gestik, Tonfall und Betonung.

Studien haben gezeigt, dass Empfänger:innen von E-Mails oder Chats den Inhalt wesentlich negativer interpretieren als es die Absender:innen beabsichtigt haben.

„Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht – in beiden Fällen hast du Recht.“ (Henry Ford)

Zwei Brüder 

Es waren einmal zwei Brüder. Die glichen sich äußerlich wie ein Ei dem anderen, waren aber ansonsten grundverschieden. Der auffälligste Unterschied bestand darin, dass der eine zu jeder Stunde optimistisch und zuversichtlich war und der andere immer schlecht gelaunt, miesepetrig und pessimistisch.
Am Geburtstag der beiden wagte der Vater der Zwillinge ein Experiment. Er wartete, bis seine Söhne eingeschlafen waren. Nur um zu sehen, was passiert, packte er das Zimmer des Pessimisten bis unter die Decke voll mit den schönsten Geschenken – mit Büchern, Spielzeug, Software und, und, und!
Dem Optimisten aber legte er nur einen stinkenden Pferdeapfel vor das Bett. Sonst nichts.
Am nächsten Morgen schaute der Vater zuerst in das Zimmer des Pessimisten. Er fand ihn jammernd auf dem Boden sitzend, inmitten der ganzen wundervollen Geschenke. Der Pessimist schluchzte: „Ich bin so unglücklich. Erstens: weil meine Freunde neidisch sein werden; zweitens: weil ich die ganzen Gebrauchsanweisungen lesen muss; drittens: weil ich für die meisten dieser Spielsachen ständig neue Batterien brauchen werde; viertens: weil vieles davon kaputtgehen wird.“
Als der Vater dann das Zimmer des Optimisten betrat, hüpfte der vor Freude in großen Sprüngen um den Pferdeapfel herum. „Warum bist du so fröhlich?“, fragte der Vater. „Ganz einfach“, antwortete sein optimistischer Sohn, „irgendwo im Hause muss eine Pony sein!“
(Bernd Höcker)

7 Tipps für Ihre E-Mails, um dem Negativitätseffekt entgegenzuwirken

Positiv ist Trumpf

Unsere Leser:innen interpretieren eher negativ als positiv! Deshalb schreiben Sie positive Worte und Formulierungen.

Keine Doppeldeutigkeiten

Nutzen Sie eindeutige Formulierungen und geben Sie klare Anweisungen – vor allem bei Fristen oder Deadlines. Statt „so rasch als möglich“ schreiben Sie besser „bis Freitag TT.MM.JJ“

Nicht zu kurz

Vermeiden Sie (zu) kurze Antworten. Zu kurze Sätze oder Antworten werden eher als schnippisch und wenig wertschätzend angesehen.

Atmosphäre schaffen

Verwenden Sie ruhig positive Phrasen wie „Das klingt wunderbar“, „Das schaut gut aus“, „Vielen Dank für Ihre Unterstützung“, „Danke für Ihr Verständnis“, „Schön, von Ihnen zu lesen“. Das sind gute Möglichkeiten eine positive Atmosphäre zu schaffen.

Emojis schaffen Stimmung

Emojis werden immer mehr akzeptiert und können nun auch in E-Mails eingesetzt werden. Sie ersetzen die fehlende Mimik und Emotionen im Text. Wir empfehlen, sparsam und gezielt damit umzugehen.

Laut lesen hilft

Lesen Sie Ihr E-Mail einfach mal laut vor. Verstehen Sie es sofort? Wie klingt es? Kann es missverstanden werden? Wenn ja – dann überarbeiten Sie es einfach noch einmal.

Nicht sofort antworten

Unterstellen Sie der anderen Person keine Böswilligkeit. Sie kennen ja jetzt den Negativitätseffekt! Deshalb gehen Sie davon aus, dass Ihr Gegenüber es nicht so negativ gemeint hat, wie es vielleicht bei Ihnen ankommt – vor allem bei E-Mails!
Beantworten Sie solche E-Mails auf keinen Fall sofort, sondern lassen diese ein bisschen abliegen. Dann hat sich auch Ihre Stimmung verändert. Noch besser ist es, schnappen Sie sich Ihr Telefon und rufen einfach an!

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Glas halbvoll

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