Wahlplakate Teil 2: So beeinflussen sie uns unbewusst – Kurz

Ein herzliches Hallo,
es sind nur noch 3 Wochen bis zur Nationalratswahl. Wir haben in den letzten Wochen Plakate von Christian Kern und Heinz-Christian Strache analysiert. Heute finden Sie hier zum Abschluss noch eine Analyse von Sebastian Kurz.

Wichtig ist, dass wir nie wissen, warum ein Mensch gerade einen bestimmten Gesichtsausdruck macht. Es ist jedoch so, dass Mimik bei uns etwas auslöst. Unsere Spiegelneuronen im Gehirn werden aktiviert und wir “machen diesen Gesichtsausdruck in abgeschwächter Form” nach. Dadurch erleben wir eine Emotion beim Betrachten eines Gesichtes auf einem Wahlplakat. Und natürlich nicht nur dort.

“Man kann vieles unbewusst wissen, indem man es nur fühlt aber nicht weiß.”
(Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Was löst ein Bild bei uns aus, wenn wir es ansehen?

Ein Wahlplakat soll in aller Kürze mitteilen, was die Botschaft darauf in Wort, Schrift und Bild ausdrückt. Man hat nur einen kurzen Augenblick Zeit, die inhaltliche und emotionale Botschaft darauf wahrzunehmen. Jedes Gesicht drückt meist auch eine Emotion aus. Für eine genaue Analyse des Gesichtsausdrucks ist es wichtig, ein neutrales Foto zum Vergleich zu haben. Wir arbeiten mit dem FACS, das Facial Action Coding System, das vom amerikanischen Wissenschaftler und Psychologen Paul Ekman entwickelt wurde. Das System wird weltweit zur De-Kodierung von Gesichtsausdrücken verwendet.

Um eine Veränderung der Mimik feststellen zu können, brauchen wir immer ein neutrales Vergleichsbild, dies ist hier das linke Foto. Wir haben uns das rechte Foto als Profilerinnen ganz genau angesehen.

Vergleicht man nun das Bild auf dem Wahlplakat, so fällt auf, dass Sebastian Kurz seinen linken Mundwinkel merklich einpresst. Neben dem Mundwinkel entsteht eine grübchen-ähnliche Falte, die es im neutralen Bild nicht gibt. Machen Sie nun folgendes Experiment: Versuchen Sie genau diese Bewegung nachzumachen, pressen Sie einen ihrer Mundwinkel ein. Schauen Sie in einen Spiegel und nehmen wahr, was passiert. Wie würden Sie diesen Ausdruck nun beschreiben? Wechseln Sie ruhig mehrmals von Ihrem neutralen Gesichtsausdruck in das einseitige Einpressen. Was passiert nun?


Das einseitige Einpressen eines Mundwinkels weist auf eine Art Überlegenheit hin, im ausgeprägtesten Fall spricht man auch von Geringschätzung bzw. von Überheblichkeit oder sogar von Verachtung. Manche Menschen machen diese Bewegung jedoch auch, wenn Sie nachdenken. Wenn Sie genau diese beschriebene mimische Bewegung nachmachen, werden Sie ebenso diese Emotion fühlen. Unsere Spiegelneuronen im Gehirn versuchen auch stets Reaktionen, Gesichtsausdrücke und Gesten nachzuahmen – Sie kennen das sicher vom Gähnen, jemand gähnt und plötzlich verspüren Sie auch das Bedürfnis zu gähnen. Ebenso ist es bei mimischen Bewegungen im Gesicht.

Uns interessiert: Wie wirkt es auf Sie? Nachdenklich oder überheblich? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung.

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